Wenn man wie ich so nach an der russischen Grenze wohnt, liegt nichts näher als die Chance zu nutzen, einmal im Leben nach St. Petersburg zu fahren, weil man eigentlich nur mit einer Einladung eines russischen Staatsbürgers in das Land kommt. Der Chef der Reiseagentur ist einer und konnte uns alle einladen.
Am Freitag morgen um 7 gings los... und auch gleich der erste Stress. Es fuhren seit 6 Uhr keine Züge, weil es einen Computerabsturz im zentralen System der finnischen Bahngesellschaft gab. Dadurch verzögerte sich die Abfahrt des Busses um 1 Stunde. Die Straßen sind marode und einspurig. Macht nichts... man kann ja trotzdem zweispurig fahren. Fährt man hält zur Hälfte im Schotterbett. Eine weitere Stunde verbrachten wir an der russischen Grenze. In St. Petersburg stieg unsere nette Stadtführerin zu, die auch gleichzeitig Ansprechpartner rund um die Uhr war.
St. Petersburg ist mit ca. 5 Millionen Einwohner die zweitgrößte Stadt Russlands und war auch einst die Hauptstadt. Die Architektur ist atemberaubend. Die Stadt wurde komplett durchgeplant und ist nicht natürlich gewachsen. Die herrliche Architektur durften wir uns bei einem Bootstrip bei Nacht mit einigen Flaschen Champus und Schoki zu Gemüte führen. Armut und Reichtum wohnen Tür an Tür, eine Mittelschicht existiert kaum. Stretch-Limousinen kreuzen genauso oft den Weg wie Ladas aus den frühen 80ern, Porsche, Mercedes und Chrysler sind Standard. Der Fahrstil ist gefährlich - Zebrastreifen gibt es zwar, werden aber konsequent ignoriert. Deshalb fährt man lieber mit der gruseligen Metro (die tiefste U-Bahn der Welt), in der fotografieren strengstens verboten ist. Es gilt erstaunlicherweise die 0,0 Promille-Grenze, wenn man mit Alkohol am Steuer erwischt wird, ist der Führerschein ein Leben lang weg – macht aber nichts, kauft man sich halt nen neuen, beim Dealer um die Ecke.
Die Preise in Russland sind ein Traum für uns Finnen-auf-Zeit. Bleiben wir mal bei den Flüssigkeiten: ein Liter Super kostet 28 Rubel, was ca 80 cent entspricht. Einen Liter Spitzen-Vodka kriegt man für 8 Euro. Oder wenn man nicht sehr an seinem Leben hängt kauft man eben diesen hier mit 70% für 3 Euro.
Wenn man in einen Club geht kann das zu einem Abenteuer werden. Zwei Italiener unserer Gruppe durften die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, eine Kalaschnikow am Kopf zu haben und dann von der Polizei mit Verdacht auf Drogenhandel in eine Zelle gesperrt zu werden. Zwei Stunden und unendlich viele Telefonate später durften sie wieder in die Freiheit.
Wenn man Kultur mag, wird man St. Petersburg lieben – wenn man kein Kyrillisch lesen kann wir man es hassen. Die kulturellen Highlights unseres Trips waren für mich die Eremitage und der Yusupov Palast, sowie das russische Dinner. Die Eremitage ist mit ca 4 Millionen Werken die größte Kunstsammlung der Welt. Man findet zum Beispiel Rembrandt, Rubens, Matisse, Gaugin, Picasso, David, van Gogh und daVinci. Es gibt kaum Sicherheitsvorkehrungen. Kein Glas vor den Bildern, fotografieren mit Blitz ist auch ok und man kann prinzipiell die Farbe von den Bildern abkratzen.
Der Yusupov Palast ist das "Haus" in dem der berüchtigte Rasputin anfang des 20. Jahrhunderts umgebracht wurde, nach dem er Jahreland in Russland sein Unwesen getrieben hat. In dem Palast wurden die Szenen mit Puppen nachgestellt. Die Stimmung war wirklich gruselig und diese Geschichte hat mich so beeindruckt, dass ich unbedingt mehr über Rasputin lesen muss.
Bei einem russischen Dinner gab es nach den 4 Gängen eine kleine russische Showeinlage mit Interaktion. Ich war nicht unbedingt traurig, am Sonntag wieder zurück zu fahren. Die Russen waren mir alles andere als sympatisch.
Hier gibt's alle Fotos vom Trip Auf folgenden Links kann man ein paar Videos sehen:
• Straßenverkehr auf russisch • Plattenbau lässt grüßen • Hotelflur ohne Ende • Brückentour mit Hindernissen